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Römische Siedlungen in der Dobrudscha (Rumänien)

Klassische Antike und Byzantinistik in der Dobrudscha

Neben dem Schwerpunkt „Neolithikum und Kupferzeit in der Moldau“ widmet sich die Professur für jüngere Urgeschichte auch der römischen Epoche in Rumänien. Zum einen mit dem Projekt zum Römerkastell und Vicus Razboieni, zum anderen aber auch – wenngleich auch „nur“ als Kooperationspartner im technischen Bereich – den klassischen antiken und spätantiken Städten im Mündungsbereich der Donau und in den Ebenen der Dobrudscha. Über viele Jahrhunderte entwickelten sich hier Siedlungen mit massiven Befestigungen und ausgedehnten Außensiedlungen und Gräberfeldern. Diese Seite gibt einen kurzen Überblick über die bislang erfolgten Arbeiten. Für tiefer gehende Informationen zu den einzelnen Fundplätzen sei auf die Seiten der Projektpartner verwiesen.

Die Kooperationspartner sind dabei das Archäologische Institut der Rumänischen Akademie, Abteilung Iași (Prof. Dr. A. Rubel), sowie das Institut für Vor- Und Frühgeschichte der LMU München (Prof. Dr. B. Päffgen).

 

Übersicht über die seit 2015 besuchten römischen Fundorte in der Dobrudscha.

Übersicht über die seit 2015 besuchten römischen Fundorte in der Dobrudscha (rot); schwarz: Fundplätze UFG-FAU insgesamt (Stand 6/2019).

Frühjahr 2015 – Slava Rusă – Eisiger Wind über der Dobrudscha

Mehr als nur eine Pause vom Neolithikum

Nach Abschluss der Prospektionen von Cucuteni-Fundplätzen in den Kreisen Iași, Bacău und Neamț ergab sich für das Team, dass eigentlich im Rahmen des Moldau-Projektes unterwegs war die Möglichkeit, auch die römische/byzantinische Stadtanlage von Slava Rusă im Kreis Tulcea zu besuchen. In Kooperation mit Prof. Dr. Alexander Rubel (Archäologisches Institut Iași der rumänischen Akademie) und Dr. Michaela Iacob (ICEM Tulcea, Muzeul de Istorie si Arheologie) sollten an diesem Fundplatz Gradiometerprospektionen innerhalb und außerhalb des heute immer noch imposant hoch erhaltenen Mauerrings durchgeführt werden. Bei Slava Rusă handelt es sich um die aus antiken Quellen als Ibida bzw. Libida bezeichnete Stadt. Gegründet um die Zeitenwende erreichte diese eine besondere Blütephase im 4.-6.Jhd. n. Chr., aus der auch die heute noch sichtbare Stadtmaueranlage stammt.

Magnetik und Geländemodell

Vom 15.-17.03.2015 wurden trotz eisigem Wind und erhöhtem Krankenstand des Teams mit Hilfe der rumänischen Kollegen der größte Teil der innerhalb der Stadtmauer begehbaren Fläche prospektiert. Dabei kam ein dichtes Netz von Mauer- und Straßenzügen zum Vorschein, das sehr gute Rückschlüsse auf die Insulae der ehemaligen Stadt zulässt. Trotz Keramikfunden an der Oberfläche nicht erfolgreich war die Suche nach Befunden extra muros. Die mittlerweile auch hier angekommene industrielle Landwirtschaft mit schwerem Gerät ist daran mutmaßlich nicht unschuldig.

Während der eine Teil des Teams die Prospektion vorantrieb, nutzte zudem der Kollege Dr. D. Paraschiv die Zeit, um mit dem DGPS ein Geländemodell der gesamten nördlichen Stadtanlage zu „erlaufen“. Im Zusammenspiel mit den Magnetikergebnissen kann so von einer mustergültigen Erfassung der Fundstelle gesprochen werden.

Nachtrag: Slava Rusă-Ergebnis publiziert!

Mittlerweile wurden die Ergebnisse aus dem Frühjahr 2015 publiziert: C. Mischka/A. Rubel/M. Iacob, Geomagnetische Prospektion in (L)Ibida
(Slava Rusă, kreis Tulcea). Vorläufige Ergebnisse der ersten Etappe eines gemeinschaftlichen Forschungsprojekts des Archäologischen Instituts Iaşi und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
[Geomagnetical Prospection in (L)Ibida (Slava Rusă Tulcea County). Preliminary Results of the First Stage of a Joint Research Project by the Archaeological Institute Iaşi and the Friedrich-Alexander
University Erlangen], 267-282 Arheologia Moldovei 38, 2015, 267-282.

Einige Abbildungen der Ergebnisse wurden in die Galerie oben eingefügt.

 

Frühjahr 2018: Jurilovca-Argamum – Eine neue Kooperation

Argamum – Die Stadt am Meer

Am Fundplatz Argamum, in der Nähe von Jurilovca (Kreis Tulcea) am Razim-See gelegen, führt das Institut für Vor- und Frühgeschichte der LMU München unter der Leitung von Prof. Dr. B. Päffgen im Rahmen des Projektes „Archäologische Forschungen im Donaudelta“ bereits seit einigen Jahren archäologische Feldarbeiten durch. Argamum ist eine seit dem 7. Jh. v. Chr. belegte griechische Stadtgründung. Gesichert durch massive Befestigungsanlagen verschiedener Ausdehnung und umgeben von Nekropolen bestand die Siedlung durch die römische Epoche hindurch bis in byzantinische Zeit.

In den letzten Jahren wurden im Ramen des LMU-Projektes bereits großflächige Vermessungsarbeiten und Drohnenbefliegungen des gesamten Stadtareals durchgeführt. Zudem erfolgten erste Gradiometerprospektionen, hauptsächlich im Inneren der spätantiken Stadt. Zudem liefen parallel taucharchäologische Untersuchungen durch die BGFU im Razim-See und dem angrenzenden Schwarzen Meer, die zur Entdeckung eines römischen Schiffswracks führten.

Archäologen gegen Vegetation und Relief

Vom 26.4. bis zum 5.5.2019 verstärkte nun Dr. Carsten Mischka vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU das Münchener Team, um eine großflächige Gradiometerprospektion der gesamten Fundstelle durchzuführen. Hierfür kam das Gradiometer des Erlanger Institutes zum Einsatz. Dabei verlangte die hohe Vegetation und die teilweise extreme Topografie mit meterhoch erhaltenen Wällen und tiefen Gräben erforderte dem gesamten Team alle Kräfte ab. Das Ergebnis entschädigte aber voll und ganz für die Mühen: Erstmals liegt nun ein über 10 Hektar großer Plan der Bodenbefunde von Argamum vor. Von besonderem Interesse sind in diesem z.B. das römische Brandgräberfeld, dessen Ausdehnung nun geklärt werden konnte, sowie bisher noch unbekannte Strukturen aus der griechischen Epoche des Fundplatzes..

 

Frühjahr 2019 – Prospektion in Argamum und Fundstellenerkundung an der Donau

Argamum – SfM und die Suche nach dem Ende der Nekropole

Am 3. April kam das Team (Dr. C. Mischka und F. Wanka BA) am Fundplatz Argamum an, wo bereits 2018 Dr. C. Mischka im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der FAU und der Vor- und Frühgeschichte der LMU die zunächst unter der Regie der LMU begonnene geomagnetische Prospektion der Stadt und ihrer Nekropolen fortsetzte. Dieses Jahr wurde das Arbeitsspektrum des Erlanger Teams erweitert. Neben der Geomagnetik wurden zudem im Bereich der durch rumänische Kollegen angelegten Ausgrabungsschnitte Drohnen- sowie bodengestützte Structure-from-Motion (SfM)-Modelle erstellt. Das Münchener Team, Prof. B. Päffgen und D. Anton M.A., verstärkt durch den Dendrologen F. Herzig (BLfD), entnahm den Profilen u.a. Holzkohleproben. Diese könnten bedeutende neue Einsichten in die Baugeschichte der Festung liefern. Die 3D-Modellierung der Schnitte samt Entnahmestellen der Proben soll dabei eine exakte Verortung der Proben sicherstellen.

Die geomagnetische Prospektion konzentrierte sich diesmal auf das Außenareal der antiken Stadt. Hier galt es, die Ausdehnung der griechischen, römischen und byzantinischen Nekropolen festzustellen. Zudem wurde das Umfeld einer nahen römischen Villa untersucht.

Weiter die Donau hinauf – Zu drei sehr unterschiedlichen Fundplätzen

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten in Argamum besuchte das Erlangen-Münchener Team noch drei Fundstellen weiter donauaufwärts, einige Kilometer östlich der Stadt Călarăşi. Hier ging es darum, die Möglichkeiten weiterer Forschungsarbeiten zu sondieren. Der erste Fundplatz war der römische Kastellplatz Sacidava in der Nähe von Aliman (Kr. Constanţa), direkt oberhalb eines Donauarmes gelegen. Die vor Jahren eingestellten Grabungen beschränkten sich hier weitestgehend auf die Mauern des Kastells. Ob sich hier vielleicht eine zukünftige Gelegenheit für eine weitere Erforschung von Innenbereich und Umland bietet?

Der im besonders trockenen Spätsommer des Vorjahres durch die Kollegen der LMU relokalisierte Fundplatz Sucidava liegt unmittelbar am südlichen Donauufer. Dabei handelt es sich um eine ausgedehnte römische Stadtanlage samt Gräberfeld. Leider war der Fundplatz nicht nur ausschließlich per Boot erreichbar, sondern in diesem Frühjahr zudem auch weitestgehend unter Wasser. Außer einer Befliegung  des Terrains boten sich somit keine weiteren Arbeitsmöglichkeiten. Hier bleibt nur, auf einen weiteren trockenen Sommer zu hoffen.

Abschluss der Kampagne bildete die Prospektion und Befliegung des Fundplatzes Satu Nou „Vadul Vacilor“. Von diesem mehr als 50 m über der Donau liegenden Sporn sind Befestigungen und Siedlungsbefunde von der Eisenzeit bis in die römische und byzantinische Epoche bekannt. Hier konnte zwar nur eine sehr kleine Fläche prospektiert werden, allerdings zeigt die UAV-Modellierung gut die extreme Topografie des Platzes und erlaubt die Verortung der diesbezüglich nur unzureichend publizierten Altgrabungsschnitte.