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Tracking in caves – Spurenlesen in paläolithischen Höhlen

Projektleitung: PD Dr. habil. Andreas Pastoors / Prof. Dr. Thorsten UthmeierIn Kooperation mit Tilman Lenssen-Erz (Universität zu Köln), Tsamgao Ciqae, Thui Thao, Ui Kxunta (Ju,’Hoansi Community, Namibia), Megan Biesele (Kalahari Peoples Fund, USA), Philippe Galant (DRACOccitanie, Frankreich) und der Association Louis Bégouën (Frankreich).

Finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Die menschlichen Fußabdrücke sind am auffälligsten – oder eher eindrucksvollsten – unter den langjährigen unerforschten Merkmalen des Kontextes in bemalten Höhlen. Um diese Vernachlässigung auszugleichen, führen wir bereits seit einigen Jahren ein innovatives Forschungsprogramm durch, das sich auf die Verschmelzung von indigenem Wissen und westlicher archäologischer Wissenschaft zum Nutzen beider Seiten konzentriert. Dieses Programm begann mit dem Lesen von Menschenspuren in bemalten Höhlen durch San-Jäger aus Namibia und hat sich seitdem in verschiedene Richtungen entwickelt, wobei die Verschmelzung verschiedener Wissenssysteme im Vordergrund steht.

Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen drei Anliegen:

1. Evaluation der im Rahmen der Pilotstudie von 2013 (Tracking in Caves) erarbeiteten Ergebnisse,

2. Generierung neuer Daten und

3. Auslotung der Grenzen beider Wissenssysteme.

Untersuchungsgegenstand sind vor allem die Fußabdrücke in den Höhlen Tuc d’Audoubert und Enlène.

Beide Fundstellen liegen im Südwesten Frankreichs und sind aufgrund ihres Fundspektrums für das Forschungsvorhaben bestens geeignet. In ihnen haben sich eine Reihe eiszeitlicher und frühholozäner menschlicher Fußabdrücke erhalten, die ein Geflecht aus Abfolgen darstellen, aus denen Handlungsabläufe – Episoden – rekonstruiert werden können. Die von der VolkswagenStiftung unterstütze Prehistoric Human Tracks Konferenz im Frühling 2017 (Köln/Mettmann) hat gezeigt, an welchen Stellen die beiden Wissenssysteme ineinandergreifen: Erfahrungswissen ist nötig, das Geflecht von Abdrücken in Pisten einzelner Individuen aufzulösen. Quantitative Methoden erzeugen darauf aufbauend metrische Grunddaten zu den einzelnen Abdrücken und bieten dadurch weiterführende Vergleichs- und Analysemöglichkeiten zu beispielsweise paläoanthropologischen Fragestellungen.Das Forschungsvorhaben ist Teil der Untersuchungen zum Kontext von eiszeitlichen Höhlenbildern als Grundlage der Interpretation über die Rolle der Bilder und der sie umgebenden Höhlen im Leben eiszeitlicher Jäger- und Sammlergemeinschaften. Darüber hinaus leistet das Forschungsvorhaben durch die Verknüpfung zweier Wissenssysteme einen nachhaltigen Beitrag nicht nur für die archäologischen Wissenschaften, sondern reicht weit in die Gesellschaft hinein.