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Dem Keltenfürst ganz nah – Neue Untersuchungen zu Herstellungsspuren auf den Statuenfragmenten vom Glauberg

M. Cihla bei der visuellen Analyse des Fürsten.
M. Cihla bei der visuellen Analyse des Fürsten.

01.06.2019: Im  Rahmen trassologischer Untersuchungen wurde letzten Montag die Oberfläche des berühmten Glauberger „Keltenfürsten“ noch einmal ganz genau „unter die Lupe“, bzw. die Kamera genommen. Ziel dieses Projekts ist der Nachweis von Arbeitsspuren auf der Sandsteinoberfläche. Daraus können Rückschlüsse auf die verwendeten Steinmetzwerkzeuge sowie eventuell auch die Arbeitsabläufe gezogen werden.

Zum Team gehörten neben Michal  Cihla B.A. und Frantisek Václavík M.A. aus Prag als Ausführende Wissenschaftler und Dr. Martin Trefný als Projektleiter auch Prof. Dr. Doris Mischka und Darja Abramov (UFG FAU) sowie Wolfram Ney M.A. (Universität Mainz).

Dankenswerterweise erlaubte die Leiterin des Museums „Keltenwelt Glauberg„, Dr. Vera Rupp die Arbeiten und auch Dr. Axel Posluschny unterstützte das Team. Dank Frau Angelika Ulbrich, der Leiterin der Abteilung Restaurierung der hessenARCHÄOLOGIE und von Herrn Klaus Schmikl konnten Fragmente der anderen drei Statuen aus ihren Vitrinen genommen und unter optimalen Bedingungen untersucht werden. Auch der lebensgroßen frei aufgestellten Figur durfte man „auf die Pelle“ rücken. Artikel auf der Museumshomepage

Im ersten Arbeitsschritt wurden überlappende Nahaufnahmen mit der Fotokamera aus verschiedenen Blickwinkeln angefertigt. Damit die Arbeitsspuren gut sichtbar wurden, kamen zwei 200 Watt-LEDs zum Einsatz. Die Daten werden später mit dem Structure-From-Motion Programm „Metashape“ zu einem dreidimensionalen Modell, welches nach Bedarf mit der Fototextur überlagert werden kann, verrechnet. Im Idealfall lassen sich die Werkzeugspuren so gut erkennen und ausmessen sogar bestimmten Werkzeugen zuordnen sowie Überlegungen zum Arbeitsablauf anstellen. Darüber hinaus können die ebenfalls erfolgten XRF-Messungen, die eventuell Hinweise auf das Material der Werkzeuge liefern: Kupfer-, Bronze- oder Eisengeräte kommen in Frage. An unbearbeiteten Oberflächen muss versucht werden, das Rohmaterial des Sandsteins zu charakterisieren. Auch Farbnachweise wurden erhofft, waren jedoch bisher bei keiner Untersuchung nachzuweisen. Daher ist es nun spannend, abzuwarten, bis die Computer die Bilder verarbeitet haben.
(D. Abramov / D. Mischka)